Auf verschämt selbstverständliche Weise sagt mir die junge Russin an der Supermarktkasse den zu zahlenden Betrag auf russisch. Ich bin in Ravensburg oben auf dem Hügel der Weststadt im Mix Market. Es ist Samstag Vormittag und der Supermarkt voller russischer Familien bei ihrem wöchentlichen Einkauf. Der Mix Market führt ausschließlich Originalprodukte aus Russland. In meinem Einkaufswagen liegen tiefgefrorene Piroggi mit fruchtigsüßer Erdbeerfüllung, eine orangeorientalisch gemusterte längliche Packung mit einer Leckerei aus Zucker, Erdnüssen und Komdensmilch, und schließlich vier durchsichtige Beutel, die ich an der Bonbontheke mit den verschiedensten Bonbons und Pralinen gefüllt habe, wobei ich diese vorrangig nach den Bildchen auf dem Einwickelpapier ausgewählt habe. Zu guter Letzt fiel mir eine bunte Glückwunschkarte mit plastisch aufgesetzten Sommerblüten ins Auge. An der einzigen Kasse hatte sich in der Zwischenzeit eine Schlange gebildet, so dass ich nun Zeit hatte, die russische Familie vor mir zu beobachten und mit der Russin hinter mir Nettigkeiten auszutauschen. Als die Familie vor mir zahlte, sprach die Kassiererin eindeutig deutsch mit dem Vater. Um so verschwörerischer klang der Geldbetrag in russisch, den sie nach dem Scannen meines Einkaufs leise zu mir sagte. Magisch in die russische Welt gezogen reichte ich ihr das Geld. Im selben Moment sagte die Frau hinter mir ebenso verschwörerisch den Betrag auf deutsch. Das leise Lächeln setzte sich bei der Kassiererein fort. „Wegen der Karte“ sagte sie mir auf deutsch. „Alles Gute!“ steht unter den Blumen aud russisch geschrieben.
Mit meinen Einkäufen auf dem Arm trete ich durch die Tür des Mix Markets in die Sonne, bergrüßt von klarer Luft und der fernen schneebedeckten Gipfelkette der Alpen, begleitet von dem immer noch warmen russischen Lächeln zart in meinem Rücken.